8. Mai: Hamburger SPD grüßt die Befreier

Juergen Mantel Eimsbuettel
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Veranstaltung der SPD-Hamburg
Freitag, 8. Mai 2015
Russland – Aggressor oder unverstandene Supermacht?
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PODIUM: – Sabine Adler, Osteuropa-Korrespondentin des Deutschlandradios. Gabriele Kötschau, Handelskammer Hamburg. Franz Thönnes, SPD-Bundestagsfraktion, stv. Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Knut Fleckenstein, MdEP. Moderation Sören Schumacher, MdHB, Fachsprecher Europa. Im Kaisersaal des Hamburger Rathauses.

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Widerwärtig

Mit widerwärtiger Häme ziehen die deutschen Medien über die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung von deutscher Barbarei in Moskau her. Nur drittrangige Staatsführer seien diesmal der russischen Einladung gefolgt. Die Feierlichkeiten selbst seien ruiniert. Putin instrumentalisiere sie für den Ukraine-Konflikt. Tatsächlich ist es der Westen, der hier instrumentalisiert und die Gelegenheit nutzt, um die historische Leistung der Roten Armee abzuwerten.

Sowjetische Truppen befreiten Majdanek, Auschwitz, Stutthof, Groß-Rosen und viele andere Konzentrationslager und Kriegsgefangenlager. Sowjetische Truppen zerschlugen die faschistische Wehrmacht. Zum Zeitpunkt der Invasion an Frankreichs Küste hatte die Rote Armee schon drei verlustreiche Jahre gegen drei Millionen Wehrmachssoldaten und SS-Truppen gekämpft, die mit 7500 Artilleriegeschützen, 3000 Panzern und 2500 Flugzeugen die Sowjetuinon überfallen hatten. Mit der Vernichtung der deutschen 6. Armee in Stalingrad Anfang 1943 war der Wendepunkt erreicht, aber der Kampf dauerte trotzdem noch zwei Jahre, in denen die Deutschen Millionen Menschen ermordeten und das Land restlos ausplünderten und zerstörten. An der Ostfront befanden sich die meisten und die kampfstärksten deutschen Verbände. Ohne den Beitrag der westlichen Alliierten deshalb zu schmälern, steht fest, dass das nationalsozialistische Deutschland von der Roten Armee unter ungeheueren eigenen Opfern zerschlagen wurde.

Angesichts des mörderischen Wütens der Deutschen in der Sowjetunion und angesichts der Tatsache, dass vor allem die Rote Armee Europa von den Deutschen befreit hat, ist die Herabwürdigung der Moskauer Gedenkfeierlichkeiten ein frontaler Angriff auf die historische Wahrheit und auf die Veteranen der Roten Armee und ihre Angehörigen.

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Die Veranstaltung der Hamburger SPD zum 8. Mai ist eine von mehreren Varianten aggressiver Herabwürdigung:

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Januar 2015:

Feierlichkeiten anlässlich der Auschwitz-Befreiung ohne die Befreier

Am 27. Januar 2015 fand die Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee ohne russische Beteiligung statt. Neben vielen anderen forderte der Auschwitz-Überlebende Max Mannheimer, Vorsitzender des Dachauer Opferverbandes, vergeblich eine spezielle Einladung des russischen Präsidenten.

Der Westen, zu dem heute auch der Osten gehört, verweigerte den Soldaten der Roten Armee damit die Erinnerung, unter ihnen auch den 200.000 jüdischen Gefallenen. Unbeeindruckt von den Protesten der Überlebenden-Verbände hielt Gauck, der der Bundespräsident der Täternation in Auschwitz eine seiner salbungsvollen Reden, während die Befreier zu Hause bleiben mussten. Die auf Putin eingeschossenen Feuilletons, die es nie versäumen, sich an den wichtigen Gedenktagen bei den Texten der Holocaust-Literatur zu bedienen, fanden das genau richtig, weil sie finden, dass die Russen im Gegensatz zu den Deutschen in der Ukraine und auf der Krim nichts zu suchen haben. Einer der wenigen Kritiken, die es in die linientreuen Medien schafften, kam von Michael Wolffsohn, den der Deutschlandfunk interviewte:

Herr Wolffsohn, wie bedauerlich ist es denn aus Ihrer Sicht, dass der russische Präsident heute nicht an den Gedenkfeiern in Auschwitz teilnimmt? Wolffsohn: Es ist selbstverständlich, dass Putin nicht die Personalisierung der historischen oder politischen Moral ist, aber es ist genauso eindeutig, dass die Rote Armee, die Rote Armee, die Rote Armee und eben die Rote Armee Auschwitz befreit hat, und die befreiten von Auschwitz haben nicht gefragt, ist denn Stalin koscher. (DLF 27.1.2015)

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Mai 2015:

Deutschland boykottiert Gedenkveranstaltung in Moskau, aber Gauck hält eine Rede zur Roten Armee

Jetzt zum 8. Mai 2015 gibt es einerseits eine Wiederholung, zugleich wird die deutsche „Bestrafung“ der Befreier durch ein kostengünstiges, aber politisch durchaus heikles politischen Manöver ausbalanciert: Während Merkel die Teilnahme an den Moskauer Feiern zum Jahrestag des Sieges der Roten Armee verweigert, hält Gauck eine Rede, die gemessen an den deutschen Befindlichkeiten ziemlich weit geht – der rechte Mob schäumt vor Wut – , vor allem wenn man die meist nicht so ausführlich zitierten Einschränkungen und Relativierungen im Kleingedruckten weglässt:

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FAZ, 7. Mai 2015
Gauck würdigt Kampf der Roten Armee
„Tod von Millionen sowjetischer Gefangener eines der größten Verbrechen des Krieges“

Von den insgesamt rund fünfeinhalb Millionen sowjetischen Soldaten in der Gewalt der deutschen Wehrmacht hat weniger als die Hälfte überlebt. Sie gingen an Krankheiten elendig zugrunde, sie verhungerten, sie wurden ermordet“, und das sei „eines der größten Verbrechen in diesem Krieg“. Gauck fügte auch hinzu, dass sich die sowjetischen Kriegsgefangenen „was das kollektive Gedächtnis angeht, in einer Art Erinnerungsschatten“ befinden, was aber menschlich durchaus verständlich sei: „Das mag damit zu tun haben, dass die Deutschen in den ersten Jahren nach dem Krieg vor allem an ihre eigene Gefallenen und Vermissten dachten und an die Kriegsgefangenen, die zum Teil noch bis 1955 in der Sowjetunion festgehalten wurden“.

Kommentar: Es hat vor allem damit zu tun, dass die Deutschen sich nicht vorstellen konnten, dass sie für ihr barbarisches Wüten im Osten keinen Preis zu zahlen hätten. Angst vor „dem Russen“ hatten sie bis 1990. Bis dahin hielten auch die Zeitzeugen lieber die Klappe, weil sie auch mit juristischen Folgen rechnen mussten, jedenfalls dann wenn ihre Albträume wahr geworden wären und an einem Morgen ein Russenpanzer in ihrem Eimsbütteler Vorgarten gestanden hätte.

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8. Mai 2015 in Hamburg:

Für die SPD ein Geschäftstermin

Während Gauck ganz staatsmännisch die reale deutsche Expansion gen Osten mit einem Kompliment an die nicht mehr existente Rote Armee verbindet, klammern dieselben Hamburger Sozialdemokraten, die im Bezirk Eimsbüttel einen „Gedenkmonat“ veranstalten, das Thema einfach aus.

Ihre Veranstaltung mit dem eigenartigen Titel „Russland – Aggressor oder unverstandene Supermacht?“ findet zwar am 8. Mai statt, aber die „Geschichte“, die sonst so hoch im Kurs steht, kommt einfach nicht mehr vor.

Die Frage „Aggressor oder unverstandene Supermacht“ ist so gestellt, dass am Ende jede Antwort gegen die Russen spricht, auch wenn sich erahnen lässt, dass Sozialdemokraten für eine „unverstandene Supermacht“ mehr Verständnis hätten als für einen „Aggressor“, der keine höheren Ziele zu seinen Gunsten anführen kann.

Die Hamburger Sozialdemokraten sprechen für jene, die vor allem am Russland-GESCHÄFT interessiert sind.

Der ungeheuerlichste Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg des 20. Jahrhunderts mit 27 Millionen sowjetischen Toten, der vollständigen Verwüstung und Ausplünderung des ganzen Landes und dem Einsatz von Kriegsgefangen und Zwangsarbeitern für die deutsche Industrie – auch in Hamburg – ist auch am 8.Mai für die SPD keine Thema. Währenddessen gedenkt man in Eimsbüttel der „Opfer des Nationalsozialismus“ auf eine Weise, die sicherstellt, dass die 18 Millionen Wehrmachtsoldaten, die diesen Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg GEFÜHRT haben, nicht in den Blick geraten.

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rot-gruene Koalition
Hamburger Nachrichten-Blatt – Zeitung der Britischen Militärregierung für Hamburg. (Vergrößern mit Rechtsklick)

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Nachtrag 10.Mai 2015:
Direkt nach dem russischen Gedenken an die deutschen Verbrechen:
„Merkel nennt Annexion der Krim verbrecherisch“
Kommentar auf der letzten Seite dieses Blogs.

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