70 Jahre 8.Mai: Befreiung – was sonst?

Eimsbuetteler Gedenkmonat
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Geschichtsrevisionismus von LINKS

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Schließlich gehört zum Eimsbütteler Gedenkmonat noch die Veranstaltung:

70 Jahre 8.Mai: Befreiung – was sonst? – Auf den Spuren des Widerstands. Stadtteilspaziergang und Demonstration.

Durchgeführt wird sie vom Umfeld von Linkspartei und DKP. Die Linkspartei will den Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht unter Berufung auf die Weizsäcker-Rede von 1985 in Hamburg zum Feiertag machen. Unterstützt wird das Vorhaben u.a. von der VVN.

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Den Aufruftext gibt es in verschiedene Varianten, mit denen man begründen will, warum heute ALLE vereinigten Deutschen den 8.Mai als einen Tag der Befreiung feiern sollten:

Eine Formulierung lautet:

„In Deutschland erlebten in erster Linie die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer/innen diesen Tag als Befreiung. Aber auch wir alle, die wir heute leben, verdanken die Chance eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt den Siegern des 8. Mai.“

Eine zweite Variante lautet:

„Vor 70 Jahren wurden nicht nur die Überlebenden des Nazi-Terrors befreit, sondern die ganze Gesellschaft.“

Und in einem Flyer heißt es:

„Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung für die Menschen in den durch Nazideutschland besetzten Ländern. Und in Deutschland selbst? Für einen Großteil der resignierten Bevölkerung stellte dieser Tag nach den Kriegsjahren eine Erleichterung dar.“

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Es handelt sich hier um einen Geschichtsrevisionismus neuen Typs wie er nur im Kontext der neuen „gesamtdeutschen“ Gedenkkultur entstehen konnte.

Jede dieser Formulierungen verfälscht in verschiedenen Variationen die historischen Ereignisse. In der ersten Fassung lässt man die Wenigen, die die Ermordung der europäischen Juden überlebten, namenlos in der Gruppe der „Verfolgten“ aufgehen und stellt sie als passive Objekte neben die aktiven Widerstandskämpfer.

Verfolgte und Widerstandskämpfer hätten den 8. Mai „in erster Linie“ als Befreiung erlebt. Wer sich „in zweiter Linie“ gefreut hat, bleibt offen.

In der zweiten Fassung gibt es nur noch die Sammelbezeichnung „Überlebende des Naziterrors“. Akteure dieses „Naziterrors“ waren wohl „die Nazis“, die zu unterscheiden sind von der „ganzen Gesellschaft“. Befreit vom Naziterror wurden aber „wir alle, die wir HEUTE leben“, sowie DAMALS „die ganze Gesellschaft“.

In der dritten Fassung werden nicht mehr die Verfolgten und Widerstandskämpfer in Deutschland, sondern die Menschen in den besetzten Ländern befreit. In Bezug auf Deutschland ist die Formulierung hier etwas unentschlossener, was vor allem daran liegt, dass die ersten beiden Formulierungen eher sagen sollen, wer „objektiv“, also unabhängig von der eigenen Wahrnehmung befreit wurde. Die Flyer-Formulierung wagt sich hingegen auf das Glatteis der subjektiven Wahrnehmung der Tätergeneration, der sie nun bescheinigt, an diesem Tag zugleich „resigniert“ (sic!) und „erleichtert“ gewesen zu sein.

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Man kann davon ausgehen, dass die Leute, die diese Geschichtsverfälschung formuliert haben, wissen was sie taten. Sie wissen,

• dass die Deutschen bis zuletzt auf Hitlers Wunderwaffe hofften,
• dass Todesmärsche und Transportzüge zwischen den Konzentrationslagern bis zum 2. Mai 1945 stattfanden,
• dass die Deutschen am 8. Mai vor allem eine berechtigte Angst vor der Rache der Siegermächte für die von ihnen verübten Verbrechen hatten,
• dass damals der Spruch umging: „Genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich“,
• dass die Deutschen die Kapitulation als Untergang, Zusammenbruch und Katastrophe empfunden haben, zum einen weil sie lieber „Herrenmenschen“ geblieben wären und zum anderen weil jetzt Millionen in die Kriegsgefangenschaft marschierten und Millionen andere zu Recht vertrieben wurden.

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Es steht auf einem anderen Blatt, dass die Deutschen am Ende zu ihrer eigenen Überraschung so gut davon kamen, aber die Alliierten kamen definitiv nicht als Befreier und sie behandelten die Deutschen, von denen nicht nur die 10 Millionen Partei-Nazis Hitler-Anhänger waren, auch nicht als Befreite. Die Siegermächte mussten den Nationalsozialismus ja gerade deshalb gewaltsam beenden, weil die Deutschen bis zum letzten Kriegstag den Nationalsozialismus verteidigten.

Am 8. Mai 1946 sagte der damalige SPD-Vorsitzende Kurt Schuhmacher:

Wir haben es mit einem Volk zu tun, das in seinen Träumen eigentlich mehr darüber trauert, dass dieser Krieg verloren ging, als dass es darüber trauert, dass dieser Krieg möglich war und geführt wurde.“ („Grundsätze sozialistische Politik“, Hannover 1946).

Schuhmacher, der zehn Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern schikaniert wurde, sagte das, obwohl er nach 1945 ein antikommunistisches und deutschnationales Programm verfolgte. Und er sagte es, obwohl die SPD sich vorgenommen hatte, die ehemaligen Wehrmachtssoldaten und Mitglieder der Waffen-SS als Wähler zu gewinnen.

Für Schuhmacher waren die mörderischen Ereignisse noch zu nahe, als dass er wie Linkspartei, VVN und DKP es heute tun, den Deutschen unterstellen konnte, sie hätten auf den 8.Mai „erleichtert“ reagiert und sich „befreit“ gefühlt.

Wie kommt es, dass Leute die sich auf linke Widerstandskämpfer berufen, wider besseres Wissen die historischen Ereignisse verfälschen, um die Deutschen nachträglich als Leute darzustellen, die „erleichtert“ waren als ihr Herrenmenschen-Traum in Trümmern lag?

Weil ihre Befreiungsthese kein historischen Befund sein soll, sondern ein geschichtspolitisches Programm in einer Zeit, in der symbolischer Antifaschismus gesamtdeutsche Staatsräson ist. Der alte Antifaschismus mit seinem gesellschaftskritischen Anspruch läuft unter diesen Voraussetzungen ins Leere. Um beim Mainstream-Antifaschismus der Berliner Republik dabei sein zu dürfen, muss die Geschichtsdeutung angepasst werden.

Sie lautet:

Aus heutiger Sicht ist es doch ganz egal, ob die Deutschen sich am 8. Mai 1945 befreit fühlten oder „resigniert“ waren, weil die schöne Nazi-Zeit vorbei war. Der Streit „Befreiung oder Niederlage?“ ist ein Thema der 1990er Jahre, das heute ohne Bedeutung ist, weshalb eine auf Parlamentswahlen ausgerichtete Linke politisch verlieren würde, wenn sie auf der historische Wahrheit beharren würde.

Diese Linke weiß: Nach der Gutwerdung der Deutschen sollte man dem Export- und Fußballweltmeister nicht mehr rechthaberisch gegenüber treten, sondern seinem Anspruch gerecht werden, jetzt auch zu den Guten zu zählen und daher auch keine falschen Rücksichten mehr nehmen zu müssen. Opa war kein Nazi und falls doch, dann war er nur unglücklich „verstrickt“ (Weizsäcker) und aus dieser Verstrickung hat ihn und uns die Anti-Hitler-Koalition „befreit“, damit wir heute als europäische Vormacht ein Leben „in Frieden, Freiheit und Vielfalt“ leben können.

Sie wird also auch von links die Erinnerung an Nationalsozialismus und sein Fortwirkung nach 1945 „gedenkpolitisch“ gefiltert und aufbereitet für die heutigen Zwecke der Berliner Republik.

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KZ Ebensee. Nebenlager von Mauthausen, 6. Mai 1945
 Monat des Gedenkens Eimsbuetel

Der 8. Mai -Tag der Befreiung von deutscher Barbarei – darf kein deutscher Feiertag werden !

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