Nachträge und Links

.

.

------------------------------------------------------------------

Zum 70. Jahrestag der Befreiung von Bergen-Belsen, 26.04.2015
Bericht, Kommentare und Meldungen vom selben Tag,
die das Gedenken relativieren:

• Deutsche Panzer in Bergen-Belsen (Hamburger Abendblatt)
• Ravensbrück: Plastik für Überlebende, Porzellan für Ehrengäste (Tagesspiegel)
• Deutsche Kriegskinder erinnern sich (ARD, 26.04.2015 – 21:45 Uhr)
• Vox/SpiegelTV: Front, Bomben, Flucht, Vertreibung (FAZ 25./26. 04.2015)

------------------------------------------------------------------

.

Nachtrag zu „Kriegskinder“

(siehe erster Kapitel dieses Blogs)

Die Medien, darunter die FAZ, haben eine Obsession für das Thema „Kriegskinder“. Der Letzte FAZ-Artikel dazu erschien ausgerechnet am 9. Mai 2015. Eine Frau Sabine Werner, Jahrgang 1936, wird vorgestellt. Dass sie ein „Kriegskind“ ist, erfuhr sie durch eine Radiosendung von und mit Sabine Bode (Autorin des Buches „Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation“).: „Es sollte noch viele Jahre dauern, bis Sabine Werner den Begriff des Kriegskindes zum ersten mal hörte. Sie schappte ihn bei einem Radiogesüräch mit Sabine Bode auf, die zu diesem Thema geforscht hat (siehe Kasten mit Interview)“. Dazu ein Foto von Frau Werner mit der Bildunterschrift: „Nach vielen Jahren: heute beschäftigt sich Sabine Werner mit ihrer Geschichte“. Und auch dies erfährt man: „Sabine war erleichtert, als sie erfuhr, dass ihr Vater beim Überfall auf Griechenland nicht an Kriegsgreueln beteiligt gewesen war.“ Wer das wie heraus gefunden hat, wird nicht erwähnt.

Das Thema „Traumatisierung der Kriegskinder“ und die Darstellung der Befunde wurde 1:1 von der Holocaust-Literatur über die Traumatisierung der Kinder von Überlebenden nationalsozialistischer Konzentrationslager „entlehnt“. In den 1990er Jahren wurde diese Literatur von deutschen Autoren entdeckt und sofort für eigene Zwecke genutzt – für die behauptung, nicht nur die Nachkommen der jüdischen Überlebenden seien traumatisiert, sondern eben auch die Kinder der Tätergenation. Dabei ignorierte man allerdings, was die Holocaust-Literatur über den verlauf von Traumatisierungen heraus fand: Symptome eine Traumatisierung auch im Alter sind eher selten oder schwächer ausgebildet, wenn die Betroffenen in einem Umfeld leben, das Verständnis und Empathie zeigt. Wer zum Beispiel in Israel lebt, wo man die eigene leidvolle Erfahrung mit anderen teilen kann und zudem nicht mit neuem Antisemitismus konfrontiert ist, kann mit den Traumatisierungen (durch Übertragung) besser umgehen.

Das gilt auf andere Weise auch für deutsche Kinder, die in den 1940er Jahren in Luftschutzkellern saßen. Der Horror, den sie erlebten, wurde von der Volksgemeinschaft als Terror von Feinden (Juden, Angloamerikaner) bewertet. Die eigene Familie und die ganze Volksgemeinschaft erschienen als Schutzgemeinschaft, in der das Kind aufgehoben war. Die Kinder wurden getröstet und man hat ihnen von dem Endsieg erzählt, also von einer großartigen Zukunft. 1945litten die Deutschen daran, dass sie ihr Herrenmenschen-Leben nicht mehr fortsetzen konnten. Auch da bildeten sie ein verschworenen (Schweige- ) Kollektiv, in dem sie sich gemeinsam in die Wirtschaftswunderjahre retteten. Der Aufstieg Deutschlands hat sie dann für alles entschädigt. Aus den „Kriegskindern“ wurde die Rock N Roll-Generation und man konnte sich Urlaub in Italien und Griechenland leisten. Mit der „Wiedervereinigung“ verpflog dann die Rest- Depression. In London und Rotterdam gibt es keine Bestseller-Literatur über Kriegskinder. Sie ist ein typischer Fall von deutscher Opferkonkurrenz. Es sind auch immer die selben eute, die interviewt werden. Das wird dann von ARD und FAZ aufgeblasen, wodurch dann wieder einige 70jährige entdecken, dass sie traumatisiert sind.

Literatur: Jacob, Günther: Stille Post – Die neue deutsche Oral History ist fasziniert vom Nationalsozialismus und macht aus den Tätern Zeitzeugen und Opfer der Umstände. Konkret-Serie ab 02/1999 (Zeitschrift: 56-59). German Gedächtnis – Das Konzept einer feindlichen Übernahme.

------------------------------------------------------------------

.

Intergenerationale Tradierung:

FAZ 20.04.2015
Enkelgeneration interessiert sich für Wehrmachtsgeschichte
Das Interesse an der Geschichte der deutschen Wehrmachtssoldaten scheint 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ungebrochen. Mit rund 40 000 Anfragen im Jahr bleibt das Niveau bei der Deutschen Dienststelle in Berlin nach Angaben der Behörde weiter hoch. Die Dienststelle verwaltet vor allem Millionen von Akten zur früheren deutschen Wehrmacht. Besonders die Enkelgeneration beschäftige sich mit der Vergangenheit der eigenen Familie, heißt es. Die Deutsche Dienststelle hilft aber auch Kriegskindern, ihre Väter zu finden.

------------------------------------------------------------------

.

Die Bundestagsrede des Staatshistorikers Heinrich August Winkler zum 8. Mai 2015

Winkel, geboren 1938 in Königsberg, ist der Prototyp des Staatshistorikers der Bonner Republik. Er geht an historische Themen heran wie die Staatsvolkswirte an die „Wirtschaft“ heran gehen: Ihre Befunde sind normativ auf den Staatswillen bezogen; es geht nie um eine Erklärung, sondern darum, was für Deutschland gut ist. Winkler sieht sich als Begleiter des deutschen Aufstiegs. Nicht die historische Wahrheit ist sein Thema, sondern die Frage, wie Deutschland sich mit historischen Argumenten so bewaffnen kann, dass alles zusammen passt – deutsche Niederlagen und deutsche Siege. Inzwischen gibt es aber eine neue Historiker-Genration der Berliner Republik, die dieses Geschäft allein deshalb viel smarter betreibt als Winkler – Leute zum Beispiel wie Norbert Frei – , weil ihr Ausgangspunkt bereits das 1990 erreichte Happy End ist, während Winkler alles noch aus der Bonner Perspektive erlebt hat. Während für Frei & Co. die „Wiedervereinigung“ kaum noch der Rede wert ist, eben weil sie seit 25 jahren eine Selbstverständlichkeit ist, können ältere Leute wie Winkler es im Inneren immer noch nicht fassen, dass dieser Coup wirklich gelungen ist. Hinzzu kommt, dass Winkler sich emotional noch nicht von dem in der Bonner Republik üblichen Gedenkpolitik-Vokabular gelöst hat. Formeln aus dieser Zeit wie: „Verbrechen in Namen der Deutschen“ oder die „dunkle Seite der Vergangenheit“ kommen so selbst in der FAZ nur noch selten vor.

.

Heinrich August Winkler zum Weltkriegsgedenken im Bundestag am 8.Mai 2015 – Zitate

Erst die Erfahrung der deutschen Katastrophe der Jahre 1933 bis 1945, des Höhepunkts der deutschen Auflehnung gegen die politischen Ideen des Westens, entzog diesem Ressentiment (gegen die Moderne) allmählich den Boden.

Die Chance, eine zweite, diesmal funktionstüchtige und zur Selbstverteidigung fähige parlamentarische Demokratie aufzubauen, erhielt nach 1945 freilich nur ein Teil Deutschlands: Den Deutschen, die im anderen Teil des Landes lebten, blieb die politische Freiheit viereinhalb Jahrzehnte lang vorenthalten.

Viele Deutsche hatten einen langen und schmerzhaften Weg zurücklegen müssen, bevor sie dem Urteil eines ehemaligen Kriegsgegners (Churchill) rückblickend zustimmen konnten. Aber wären sie nicht bereit gewesen, sich der einzigartigen Monstrosität des Holocaust, der Ermordung der Sinti und Roma, von Zehntausenden geistig behinderter Menschen sowie zahllosen Homosexuellen und der Verantwortung für schrecklichste Kriegsverbrechen in den von Deutschland besetzten und ausgebeuteten Ländern Europas zu stellen, wie hätte die BRD je wieder zu einem geachteten Mitglied der Völkergemeinschaft werden können?
(Das ist die Formel der Staatsräson)

Besonders schwer war es für die Millionen von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, das ihnen widerfahrene Leid als Folge der deutschen Gewaltpolitik zu begreifen und sich mit dem Verlust ihrer Heimat abzufinden.

Aber …. – (das ABER des Staatshistorikers …)

…. als nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 die deutsche Frage unverhofft wieder auf die Tagesordnung der internationalen Politik zurückkehrte, da war der überwältigenden Mehrheit der Deutschen, auch der Heimatvertriebenen, klar, dass es ein wiedervereinigtes Deutschland NUR in den Grenzen von 1945 geben konnte.

Abgeschlossen ist die deutsche Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit nicht, und sie wird es auch niemals sein. Es gibt vieles Gelungene in dieser Geschichte, nicht zuletzt in der Zeit nach 1945, über das sich die Bürger der BRD freuen und worauf sie stolz sein können. Aber die Aneignung dieser Geschichte muss auch die Bereitschaft einschließen, sich den dunklen Seiten der Vergangenheit zu stellen.

Niemand erwartet von den Nachgeborenen, dass sie sich schuldig fühlen angesichts von Taten, die lange vor ihrer Geburt von Deutschen
im Namen Deutschlands begangen wurden.

Würden die Deutschen der

bequemen Versuchung nachgeben,

(„bequeme Versuchung“ ist vielleicht der Schlüsselbegriff der deutschen Erinnerungspolitik. Die Versuchung, die deutschen Verbrechen zu relativieren, ist RIESIG. Weil das Leid der anderen die Deutschen ja nicht innerlich berührt, ist es anstrengend, immer so zu tun als sei das nicht so. Es wäre bequemer, nicht daran denken zu MÜSSEN. Besonders dumm ist, dass der eigene Nationalismus/Patriotismus zum „Erinnern“ zwingt. Da stellt sich die Frage, wie lange unverkrampfte deutsche Patrioten diesen Widerspruch noch aushalten?)

sich nicht mehr an das erinnern zu wollen, was Deutsche nach 1933 und vor allem im Zweiten Weltkrieg an Schuld auf sich geladen haben, sie würden doch immer wieder damit konfrontiert werden, dass die Nachfahren der Opfer diese Geschichte so leicht nicht vergessen können.

(Sie würden gerne, dürfen aber nicht – aus langfristigem Eigeninteresse! Man setzt also nicht auf Empathie, sondern auf Berechnung. Den anderen bleibt zu hoffen, dass die Deutschen ihre langfristigen Eigenintressen selbst nicht aus dem Auge verlieren. Aber handelt es sich bei deutschen Interessen in der Ukraine noch um langfristige Interessen oder ist das schon ein Beispiel für eine „bequeme Versuchung“, der man nachgibt? Winkler „vergangenheitspolitische“ Absicherung hört sich nach dem alten Kosovo-Krieg-Konzept an: )

Die Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten sind kein Argument, um ein Beiseitestehen Deutschlands in Fällen zu begründen, wo es zwingende Gründe gibt, im Sinne der „responsibility to protect“, einer Schutzverantwortung der Völkergemeinschaft, tätig zu werden.

Das Jahr 2014 markiert eine tiefe Zäsur: Durch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim ist die Gültigkeit der Prinzipien der Charta von Paris radikal in Frage gestellt – und mit ihr die europäische Friedensordnung, auf die sich die einstigen Kontrahenten des Kalten Krieges damals verständigt hatten.

(Der Staatshistoriker als Staatsjurist. Was er nicht ahnt: Wenn der Anschluss der KRIM völkerrechtswidrig war, war es die Aneignung der DDR noch vielmehr, denn – anders als im Fall der Krim – gab es 1989/1990 in der DDR keine Volksabstimmung. Aber selbstverständlich ist Winkler das Völkerrecht ganz egal, weil er Staatshistoriker ist. Den Mann aus Königsberg bremst auch nicht die Tatsache, dass deutsche Polizeibataillone auf der Krim Tausende ermordet haben. Die „bequeme Versuchung“ lauert eben überall).

Das ist eine Lehre aus der deutschen Geschichte:
(„Lehren aus der Geschichte“ gibt es nur bei Staatshistorikern)
Nie wieder dürfen unsere ostmitteleuropäischen Nachbarn, die 1939/40 Opfer der deutsch-sowjetischen Doppelaggression (sic!) im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes wurden den Eindruck gewinnen, als werde zwischen Berlin und Moskau irgendetwas über ihre Köpfe hinweg und auf ihre Kosten entschieden. (Zufällig haben Staatshistoriker immer die „Lehren“ parat, die gerade nachgefragt werden).

Dem wiedervereinigten Deutschland fällt innerhalb der EU schon auf Grund seiner Bevölkerungszahl und seiner Wirtschaftskraft eine besondere Verantwortung zu. Dazu kommt die Verantwortung, die sich aus der deutschen Geschichte ergibt.

Es ist eine an HÖHEN und Tiefen reiche Geschichte, die nicht aufgeht in den Jahren 1933 bis 1945 (sonst könnte man ja auf überhaupt nichts mehr stolz sein) und die auch nicht zwangsläufig auf die Machtübertragung an Hitler hingeführt, wohl aber (? Dialektik?) dieses Ereignis und seine Folgen ermöglicht hat. Sich dieser Geschichte (HÖHEN und Tiefen) zu stellen, ist beides: ein europäischer Imperativ und das Gebot eines aufgeklärten Patriotismus.

(Winkler, das ist einfach zu durchschaubar. Großdeutschen Chauvinismus kann die neue Generation der Statatshistoriker bedeutend weniger peinlich formulieren).

.

------------------------------------------------------------------

.

Fehlende Feierlaune am 8. Mai

Deutschlandfradio Kultur 9. Mai 2015
Staatshistoriker Norbert Frei zum 8. Mai
Deutschlandradio Kultur: Hierzulande wurde dieser Gedenktag ziemlich schlicht und einer Feierstunde im Deutschen Bundestag begangen. Bei der hat Ihr Historikerkollege Heinrich August Winkler eine Rede gehalten. Also eine eher verkopfte, staatliche Veranstaltung. So richtig Feierlaune haben wir Deutschen offenbar immer noch nicht, wenn wir an das Ende der Nazizeit vor 70 Jahren denken.

Norbert Frei: Am Ende eines Infernos der Gewalt, das der Zweite Weltkrieg gebracht hat, ist vielleicht auch zu einer fröhlichen Jubelfeier, anders als bei der Befreiung von Paris im August 1944 und anderen wirklichen Gefühlen der Befreiung, die ja auch dann konkret schon die Allgemeinheit in diesen von Deutschland besetzten Ländern gehabt hat, in Deutschland selbst kein wirklicher Anlass. Natürlich spielt auch eine wesentliche Rolle das Wissen, das ja doch in der Bevölkerung vorhanden war, was man als Deutscher an Krieg im Osten inszeniert hat und wie der Krieg im Westen ausgesehen hat, der ja zwar auch mit einer harten Besatzungspolitik, aber doch nicht mit dieser Vernichtungspolitik wie im Osten begangen worden ist. Und insofern spiegeln sozusagen die Antizipationen der Deutschen dann auch ein Stück weit die Erwartungen dessen, was da als Besatzungsmacht auf einen zurollt.

------------------------------------------------------------------

.

Die deutsche Erinnerungskultur schlägt zurück: Putin ist Hitler

Wenn Griechen und Italiener Merkel mit Hitler vergleichen, machen sie sich beim Erinnerungsweltmeister nur lächerlich.
Zugleich gilt in Deutschland der 70. Jahrestags der bedingungslosen Kapitulation als gute Gelegenheit, um Putin mit Hitler gleichzusetzen.
Die deutsche Erinnerungskultur ist 1999 von der Defensive in die Offensive übergegangen. Sie ist heute die Begleitmusik zur expansionistischen Politik.

Müssen wir Russland heute noch dankbar sein?

BILD, 7. Mai 2015
Russland-Zoff bei Anne Will
Krim-Annexion erinnert an Hitler-Strategie
Ausgerechnet am 9. Mai, zur großen Militärparade in Moskau, verweigert Bundeskanzlerin Angela Merkel in diesem Jahr ihre Teilnahme. Der Grund: das aktuelle Verhalten Russlands auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim und in der Ostukraine. Provokation oder verständliche Reaktion? Anne Will fragte am Mittwochabend: „70 Jahre nach Kriegsende – müssen wir Russland heute noch dankbar sein?“
Teilnehmer: •Katja Kipping, Parteivorsitzende der Linken. • Erika Steinbach, Sprecherin für Menschenrechte der CDU/CSU im Bundestag. • Herfried Münkler, Politikwissenschaftler. • Marieluise Beck, Sprecherin für Osteuropapolitik der Grünen.

Die konservative Politikerin Erika Steinbach zählt zu den profiliertesten und umstrittensten Mitgliedern der CDU – sie nimmt die Kanzlerin in Schutz! Natürlich müsse Merkel nicht nach Moskau fahren, antwortet Steinbach auf Anne Wills Eingangsfrage. Dankbarkeit gegenüber der Roten Armee für die Befreiung vom Faschismus verspüre sie nicht. Stalin sei einer der schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte gewesen, er stehe Hitler in nichts nach. Von einem Tag der Befreiung will Steinbach im Zusammenhang mit dem 8. Mai 1945 daher auch nicht reden. Mit dem Einmarsch der Roten Armee in Deutschland sei es zu Massenvergewaltigungen, Plünderungen und Mord gekommen. Die Konzentrationslager der Nazis seien von den Sowjets einfach weiter genutzt worden.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping warnt davor, Stalinismus und Nazi-Herrschaft gleichzusetzen. „Wir haben eine Verantwortung für die Geschichte und der müssen wir uns stellen“, sagt sie. Der 9. Mai sei für Russland ein bedeutender Tag – und der denkbar schlechteste, um über die Politik auf der Krim oder in der Ostukraine zu diskutieren. „Das ist ein Affront gegenüber Russland“, ärgert sich Kipping. Die Entscheidung der Bundeskanzlerin, nicht nach Moskau zu reisen, sei trotzdem richtig, findet der Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Er vergleicht die Annexion der Krim gar mit Hitlers Griff nach dem Sudetenland. Europa sei durch Russland in eine schwierige Lage gekommen, glaubt auch die Grüne Marieluise Beck. Ohnehin habe die Rote Armee aus Soldaten aus vielen verschiedenen Ländern bestanden. „Die Länder zwischen Berlin und Moskau haben im Krieg den größten Blutzoll gezahlt“, sagt sie.

.

Marieluise Beck, vorher Marieluise Beck-Oberdorf
Anne Will Russland

.

------------------------------------------------------------------

.

Direkt nach der Gedenkveranstaltung an die deutschen Verbrechen:

FAZ, 10. Mai 2015
Merkel nennt Annexion der Krim „verbrecherisch“
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin haben am Sonntag in Moskau gemeinsam der Opfer des Zweiten Weltkriegs (= FAZ-Sprachregelung! Bei dpa heißt es: „sowjetischen Opfern des Zweiten Weltkriegs“) gedacht. Sie legten Kränze am Grabmal des unbekannten Soldaten an der Kremlmauer nieder. Danach sagte Merkel, sie als Bundeskanzlerin verneige sich „vor den Millionen Opfern, die dieser Krieg, vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselt, gefordert hat“. Mit Blick auf den Beginn der Krise sagte Merkel, die deutsch-russische Zusammenarbeit „hat durch die verbrecherische und völkerrechtswidrige Annexion der Krim und die militärische Auseinandersetzung in der Ostukraine einen schweren Rückschlag erlitten“.

Delegationskreise brachten diese erstmalige Einstufung der Annexion der Krim durch Merkel als „verbrecherisch“ in Zusammenhang mit vorangehenden Äußerungen des Bedauerns über die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands.

-

• In der dpa-Meldung
geht es noch weiter. Merkel forderte, Russland müsse die Krim an die Ukraine zurückgeben: „Es gehe darum, die territoriale Einheit der Ukraine wieder herzustellen. Russlands Einverleibung der Schwarzmeerhalbinsel Krim und die Gewalt in der Ostukraine seien eine Gefährdung der europäischen Friedensordnung, mahnte Merkel.

• Der Bayrische Rundfunk ergänzt:
Pikant: Merkel sagte dies bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kremlchef Wladimir Putin. Beobachter in Moskau überraschte vor allem der Ausdruck „verbrecherisch“. Der russische Präsident reagierte zunächst nicht auf die Wortwahl.

--

Wenn diese Meldung stimmt,
hat die Entkoppelung von Realpolitik und „Gedenkpolitik“ eine neue Stufe erreicht:

(1) Merkel nennt im Kontext des russischen Gedenkens an die DEUTSCHEN VERBRECHEN (nicht zuletzt auf der Krim!) die russische Politik „VERBRECHERISCH“. Offenbar waren davon auch „Delegationskreise“ überrascht. Wenn diese aggressive Äußerung in den nächsten Tagen nicht relativiert wird, dann ist das (a) eine offene Kriegshetze und (b) der endgültige Emanzipation der deutschen Außenpolitik von der mittlerweilen 25jährigen staatlichen „Gedenkkultur“, die der deutschen Expansion flankierend erst Weg bereitet hat .

(2) Merkel droht der russischen Atommacht mit dem Ende der „europäischen Friedens-ORDNUNG“ (noch nicht des Friedens selbst), wenn Russland einen Wiederanschluß der Krim an die Ukraine verweigert. Russland wiederum versucht die Deutschen an ihrem „Wir sind ein Volk“-Chauvinismus zu packen und ihnen den Anschluss der Krim als russiche Wiedervereinigung zu erklären. Wobei Russland hier völkerrechtlich im Vorteil ist, weil es beim Anschluss der DDR kein Referendum gab. Nach der Öffnung der Grenze 1989 schickte Westdeutschland Zehntausende Kader in die DDR und finanzierte dort eine „Wir sind EIN Volk“-Bewegung (die westdeutsche Poplinke stellte ein eigenes Bataillon für Berlin-Mitte) . Die Entscheidung über den Anschluss fällten dann vom Westen finanzierte Parteien.

Wahrscheinlich hätten sich auch in einem Referendum eine Mehrheit der DDR-Bürger für den Anschluss entschieden (so war es 1935 und 1956 im Saarland), aber man wollte kein Risiko eingehen und vermied ein Referendum. Russland ging das Risiko auf der Krim ein, und die Mehrheit votierte für Russland. „Völkerrechtlich“ steht Russland also besser da als die BRD. Doch dieses Referendum störte die westliche Ost-Expansion, die von der europäischen Führungsmacht am stärksten voran getrieben wurde.

(3) Man hat sich schon daran gewöhnt, dass die Briten und Franzosen in der Ukraine – und auch in anderen Teilen des Ostens – kaum in Erscheinung treten. Osteuropa gilt längst als deutschen Terrain, und als einzige ernstzunehmende Konkurrenten gelten die USA. Die Selbstverständlichkeit mit der ausgerechnet Deutschland gegen Russland antritt – und dann noch auf einer Gedenkfeier für die Opfer der deutschen Verbrechen – ist mehr als „pikant“.
Pikant“ ist bis zum Abend des 10. Mai 2015 der einzige leicht irritierte Kommentar in den deutsche Medien zu dieser Ungeheuerlichkeit. Es gibt hier also kein Entsetzen. Vorerst ist noch unklar, was Merkel mit dieser Zuspitzung erreichen will. Da die Nicht-Atommacht Deutschland allein keine militärische Option hat, kann es bei dieser Provokation nur darum gehen, EU (vor allem die östlichen Staaten) und Nato unter deutscher Führung noch schroffer gegen Russland in Stellung zu bringen.

(4) Wie gefährlich diese Situation ist, wird nicht zuletzt an den Reaktionen eines Mannes deutlich, den die Deutschen aus gutem Grund verehren: Gorbatschow. Der Mann, der den Zerfall der Sowjetunion in die Wege geleitet und damit den Aufstieg Deutschlands zur neuen Supermacht ermöglicht hat, ist inzwischen von diesem Deutschland ziemlich irritiert. In verstreuten Kommentaren äußerte er sich so:

Der Westen habe seine Versprechen nach der Wende von 1989 nicht eingehalten und sich stattdessen zum Sieger des Kalten Krieges erklärt. Den westlichen Politikern seien Euphorie und Triumphalismus zu Kopfe gestiegen. Schon in den 90er-Jahren habe man begonnen, das Vertrauen Russlands zu untergraben. Als Beispiel dafür nennt Gorbatschow die Nato-Osterweiterung, Jugoslawien, das Kosovo, Raketenabwehrpläne, Irak und Libyen. Der Westen habe Russlands Schwäche ausgenutzt. Bis 2009 habe die Nato nach und nach zwölf osteuropäische Staaten aufgenommen. Eine Aufnahme der Ukraine in die Nato war zunächst für 2008 geplant. Gorbatschow wendete sich auch gegen die deutsche Ukraine-Politik: „Das neue Deutschland will sich überall einmischen“. Der Nato wirft Gorbatschow vor, die europäische Sicherheitsstruktur durch die Erweiterung des westlichen Verteidigungsbündnisses zerstört zu haben. „Kein Kremlchef kann so etwas ignorieren“. Zeitgleich seien die Gedankenspiele des Westens, Putin zu stürzen „höchst gefährlich“.
Wenn selbst ein Deutschlandfreund wie Gorbatschow die Lage so urteilt, kann man davon ausgehen, dass sie eher noch brisanter ist.

-

.

Nachtrag zu:
„Merkel nennt Annexion der Krim verbrecherisch“:
Montag 11. Mai 2015

• Die gedruckte FAZ ergänzt ihre Meldung vom Sonntag durch den Hinweis aus „Delegationskreisen“: „Merkel habe die Aussage womöglich unbeabsichtigt gemacht, hieß es hernach“. Autor der FAZ-Meldung ist „frs/Moskau“. „frs“ ist Friedrich Schmidt, Moskau-Korrespondent der FAZ (geb. 1980). Der ganze Artikel erschien im unteren Teil der FAZ-Titelseite. In ihrem „Kommentar“ (von Rainer Blasius) auf Seite 8 geht die FAZ nicht auf diese Frage ein.

• Die ZEIT zitiert den Satz „Merkel nennt Annexion der Krim verbrecherisch“ ohne jede Einschränkung und ohne weiteren Kommnentar.

• Die Provinzzeitung „Westfalen Blatt“ bringt ihn unter der Überschrift: „KLARE KANTE“: „Die Bundeskanzlerin nennt die Annexion der Krim durch Putins Truppen »völkerrechtswidrig und verbrecherisch«. Diese klare Kante war so nicht zu erwarten.“

• Live zu hören ist Merkels Satz in der ZDF-Sendungheute“ vom 10. Mai 2015. Dort sieht es tatsächlich wie ein Versprecher aus; Merkel stolpert über den Wortanfang „ver-“ bevor sie „verbrecherisch“ sagt. Im Off-Kommentar der „heute“-Sendung heißt es dazu: „Verbrecherisch nennt Merkel das was auf der Krim passiert ist. Keine normale diplomatische Sprache.“ Im gedruckten Text der „heute“-Sendung heißt es: Ungewohnt scharf verurteilt sie … die “verbrecherische und völkerrechtswidrige Annexion” der Halbinsel Krim durch Russland. Eine Ohrfeige für Putin an dem Tag, an dem sie deutsche Verbrechen verurteilen soll?

Fazit:
In einigen Medien wird zaghaft angedeutet, Merkels Satz: „Die Annexion der Krim war verbrecherisch“ sei womöglich eine Freud´sche Fehlleistung. Andere Medien verzichten auf diese Einschränkung und finden sie uneingeschränkt richtig. Ein offizielles Dementi gibt es nicht und auch kein Erschrecken in der Öffentlichkeit. In Deutschland hält man den deutschen Satz: „Die Annexion der Krim war verbrecherisch“ – ausgesprochen am Gedenktag für 27 Millionen sowjetische Kriegsopfer – nicht für einen Tabubruch. Es ist also einer. Und er wird ohne größere Aufregung akzeptiert. Seit dem 10. Mai 2015 hat sich die deutsche Staatsräson also verändert. Die Außenpolitik löst sich von den Imperativen der eigenen „Gedenkpolitik“, die dieser Außenpolitik erst den Spielraum verschafft haben.

--

Angela Merkel

Vor 74 Jahren ermordeten Wehrmacht und Polizeitruppen die Juden auf der Krim

Im Oktober 1941 griff die Wehrmacht Simferopo, Feodossija und bei Jalta die südliche Küste an. Gegen die im Südwesten gelegene Festung und Hafenstadt Sewastopol rannten sie noch über ein halbes Jahr vergeblich an. Doch am 4. Juli 1942 hieß es, die ganze Krim sei in deutscher Hand. Die Pläne der SS sahen vor, sie zum Teil eines „Reichsgaus Gotenland“ zu machen.

Schon am 9. Dezember 1941 begann auf der Krim eine der größten Massenerschießungen während des Zweiten Weltkriegs. Beteiligt waren die Wehrmacht, die Einsatzruppe D, Polizeibataillone und die Feld-Gendarmerie. In der Krim-Hauptstadt Simferopol leben zu diesem Zeitpunkt rund 13.000 Juden und 1.500 Krimtschaken, eine turksprachige jüdische Minderheit. Ein von der Roten Armee angelegter Panzergraben vor den Toren der Stadt wird als Exekutionsstätte ausgesucht. Die Juden müssen sich am Hauptsitz der Kommunistischen Partei einfinden. Man hatte ihnen erzählt, sie würden umgesiedelt. Viele trugen ihre besten Kleider. Kurz vor dem Panzergraben werden die Menschen durch ein Spalier von Wachposten getrieben. Sie müssen Schuhe und Mäntel ausziehen. Mit Peitschen und Eisenstangen schlagen die Posten auf die frierenden Menschen ein. Die Feldgendarmerie steht mit Schäferhunden daneben. Dann eröffnen Erschießungskommandos am Graben das Feuer. Jüdische Zwangsarbeiter müssen die Leichen im Graben stapeln. Vom 9. bis 13. Dezember werden 14.000 Menschen ermordet und verscharrt. Überall auf der Krim werden nun Juden aufgespürt und erschossen. Am 16. April 1942 meldet die SS nach Berlin: „Die Krim ist judenrein“.

Beteiligt an den Morden war unter anderem Hans Heinrich Eggebrecht, einer der bedeutendsten deutschen Musikwissenschaftler der Nachkriegszeit. Eggebrecht war Mitglied der Feldgendarmerieabteilung 683. Insgesamt haben die Deutschen während ihrer Besatzungszeit auf der Krim mehr als 40.000 Menschen ermordet. Beim Rückzug der deutschen Truppen wurden Städte und Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, wobei Tausende Menschen bei lebendigem Leib, oft in veriegelten Scheunen, verbrannten.

Seit einigen Jahren ist der 11. Dezember auf der Krim offizieller Gedenktag für die ermordeten Juden und Krimtschaken.
Buchhinweis: Norbert Kunz, Die Krim unter deutscher Herrschaft 1941-1944. Darmstadt 2005

-

Einer der wenigen Prozesse in Deutschland ging so aus:

Justiz und NS-Verbrechen Band XXXII
14.03.1969 – 22.08.1969 – Verfahren Lfd.Nr.715
Tatkomplex: Andere Massenvernichtungsverbrechen, Kriegsverbrechen
Angeklagte: • Beh., Carl Friedrich Magnus Verfahren eingestellt. • Dol., Otto Verfahren eingestellt. • Dub., Erich Verfahren eingestellt. • Kap., Joseph Verfahren eingestellt. • Lor., Paul Hugo Erich Verfahren eingestellt. • Pallmann, Karl Rudolf lebenslänglich. Si., • Hans Heinrich Jakob Verfahren eingestellt.
Gerichtsentscheidungen: LG Düsseldorf 690821. Tatort: Bolek Atschi, Donuslaw 1, Eupatoria, Feodosia, Ikor, Otar Majnak, Kolchose Schaumian (Krim) Tatzeit: 19 41-1942. Opfer: Juden, Zivilisten, Kriegsgefangene. Nationalität: Sowjetische. Dienststelle: Wehrmacht Heer Feldgendarmerie Feldkommandantur 810. Verfahrensgegenstand: Massen- und Einzelerschiessungen von Juden, ‚deutsch-feindlichen‘ Zivilisten und russischen Kommissaren, zum Teil zusammen mit dem EK10b und dem EK11b, im rückwärtigen Heeresgebiet der 11.Armee.

.

------------------------------------------------------------------

Hamburger Abendblatt, 3. April 2015
Eimsbütteler Polizisten verbreiteten Hakenkreuz-Fotos
Rotherbaum. Nach dem „Totenkopf“-Skandal vor der jüdischen Joseph-Carlebach-Schule muss sich die Hamburger Polizei erneut mit rechtsextremem Gedankengut in den eigenen Reihen auseinandersetzen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 52 Jahre alten Angestellten im Polizeidienst (AIP) und einen 34-jährigen Polizeibeamten. Die Männer sollen zu Weihnachten unabhängig voneinander über Whats-App Fotos eines Tannenbaums verbreitet haben, an dem Kugeln mit Hakenkreuzen hingen. Der dem Polizeikommissariat 17 (Sedanstraße) zugeordnete Angestellte im Polizeidienst ist inzwischen entlassen worden. Unter anderem hatte der Objektschützer die jüdische Schule bewacht. Am 24. Dezember hat er auf einschlägigen Seiten im Internet das Bild veröffentlicht und dazu doppeldeutig geschrieben haben: „Habe gerade den Weihnachtsschmuck aus dem Keller geholt. Alles Heil.“ Ein Polizeiobermeister des Polizeikommissariats 24 postete das gleiche Bild in einer geschlossenen Whats-App-Gruppe. Erst vor zwei Jahren hatte ein Objektschützer der Polizei hatte im Wachcontainer vor der jüdischen Schule einen Totenkopf mit aufgesetzter Dienstmütze fotografiert und das Bild bei Facebook gezeigt – nicht wenige sahen darin ein Totenkopf-Emblem der Waffen-SS.

.

------------------------------------------------------------------

.

Israel ist das letzte Tabu der deutschen Souveränität

FAZ, 12. Mai 2015
Deutschland und Israel
(Titelkommentar, Auszug)
Das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ist auf historische, einmalige, unvorstellbare Art besonders. (…) Im Rückblick muss man sagen, dass es einem Wunder gleichkommt, dass nach den Schrecken der Vergangenheit ein so festes Band der Verbundenheit, ja der Freundschaft zwischen Israelis und Deutschen geknüpft worden ist. (…) Aber es dürfte auch klar sein, dass die Zukunft des deutsch-israelischen Verhältnisses weniger von der Vergangenheit geprägt sein wird. Neue Generationen wachsen in Deutschland heran, für welche die besondere Verantwortung für Israel – durchaus im Unterschied zur politischen Klasse – nicht mehr selbstverständlich ist. Sie gehen härter mit der israelischen Politik ins Gericht als früher. Für junge Leute mit Migrationshintergrund ist die deutsche Kollektivverantwortung, von der Adenauer sprach, schwer zu verstehen. (…) Auf Geschichte allein wird das künftige deutsch-israelische Verhältnis nicht gründen können.

Kommentar

Als die Tätergeneration noch rüstig war, brauchte die BRD die „deutsch-israelische Freundschaft“, um von den Siegermächten anerkannt zu werden. Ohne halbwegs gute Beziehungen war an einen deutschen Wiederaufstieg nicht zu denken. Nur in diesem Sinn war das deutsch-israelischen Verhältnisses seinerzeit von der Vergangenheit geprägt: Westdeutschland war noch nicht souverän und DEUTSCHLAND gab es noch nicht. Dass die jungen Deutschen heute „härter mit der israelischen Politik ins Gericht als früher“ als nach 1945 die geschlagenen Nazis, hat allein damit zu tun, dass sie es KÖNNEN, weil es heute DEUTSCHLAND als europäische Vormacht (wieder) gibt. Seit dieses DEUTSCHLAND auch noch Erinnerungsweltmeister ist, lässt es sich von niemand mehr mit Hinweisen auf „die Geschichte“ bremsen.

Die allerletzte Schranke für SUPERDEUTSCHLAND stellt jetzt nur noch Israels dar. Schon seine pure Existenz erinnert an die deutschen Verbrechen. Sie erinnert auch an den ungeplanten Abbruch dieser Verbrechen am 8. Mai 1945, denn ohne die bedingungslose Kapitulation wäre die Ermordung der europäischen Juden weiter gegangen, Rommel wäre auch nach Palästina vorgedrungen und einen jüdischen Staat gäbe es nicht.

Israel ist für die Deutschen daher ein Störfaktor, der ständig unerwünschte Erinnerungen weckt. Für die Jugend von SUPERDEUTSCHLAND ist das unerträglicher als für die alten Nazis der Adenauer-Jahre, die sich erst noch hocharbeiten mussten. Die Jungen sehen überhaupt nicht mehr ein, warum sie auf Israel Rücksicht nehmen sollten. Es macht sie aggressiv, dass die deutsche Souveränität trotz Weltmeisterstatuts bei Export, Fußball und Erinnerung in einem so kleinen Land noch eine Schranke haben soll. Daher die Drohung: „Auf Geschichte allein wird das künftige deutsch-israelische Verhältnis nicht gründen können.“ Auch diese letzte Schranke soll noch weg.

.

.

GJ, Kontakt dbd (at) riseup.net